Glasschleifen

Das Schleifen von Glas mit reichen Verzierungen ist eine traditionelle handwerkliche Technik der dekorativen Glasveredelung. Geschliffenes Glas wird zur Verzierung von Vasen, Schalen, flachen Tabletts, Karaffen, Flaschen, Körben, Trinkgläsern für den Tisch und anderen praktischen Formen verwendet.

Technisch gesehen handelt es sich um die mechanische Entfernung von Glas mit einem freien oder gebundenen Schleifmittel. Die Schnitte werden mit Hilfe von Scheiben (meist Diamant, aber auch Karborund und wassergekühltes Elektrolith) ausgeführt, die sich auf einer Kugelmaschine um eine vertikale Achse oder auf einer Glättmaschine um eine horizontale Achse drehen. Die Grundschnitte sind keilförmig, rund, gerade und quadratisch. Keilschliffe ergeben Muster in Form von Sternen, Maultieren, Ziegen, Klauen, Wiener Matten oder dreieckigen, sechseckigen oder achteckigen Steinen. Die abgerundeten Schnitte führen zur Abwechslung zu den so genannten Kegeln, Zapfen oder Flecken. Bei der Technik des Glasschliffs mit reicher Verzierung wird versucht, aus diesen Elementen ein reiches Muster zu schaffen, das sich oft über die gesamte Außenfläche des Produkts erstreckt. Die Oberfläche des so dekorierten Glases reflektiert das einfallende Licht an den einzelnen Kanten und erzeugt so ein schimmerndes Ornament.

Glas wird seit dem 17. Jahrhundert auf diese Weise verziert. Der edle Glanz des böhmischen geschliffenen Glases hängt eng mit der Erfindung des Bleikristalls zusammen, der leicht zu schmelzen ist und hervorragende optische Eigenschaften besitzt. Gleichzeitig ist es weicher und leichter zu schneiden als Kalknatronglas, und der Glanz der Schliffe wird in der Regel durch Polieren in Säure erreicht. Früher wurde Bleikristall mit 30 % PbO geschmolzen und geschnitten, heute meist mit 24 % Bleioxid.

Ursprünglich wurde dieses Glas in Venedig zur Imitation von Edelsteinen verwendet. In unserem Land begann man nach 1710, sie zu schmelzen. Zunächst in Turnov, später in Jablonec und Železnobrod.

Die Muster, die heute geschnitten werden, beruhen auf der tiefen technischen und künstlerischen Tradition unserer Region. Der Schleifer, dem höchste handwerkliche Qualität abverlangt wird, muss nicht nur in der Technik des Schleifens selbst präzise sein, sondern er muss auch über eine dekorative Phantasie und einen Sinn für Komposition verfügen, um einzelne Elemente, glänzende und matte Oberflächen des Schliffs geschmackvoll kombinieren zu können.   

Das Schleifen von Glas mit reichem Dekor ist ein wertvolles Werk der menschlichen Hand, bereichert durch künstlerisches Gespür und die Fähigkeit, zu improvisieren und neue Dekore zu schaffen.


Miroslav Valenta, ehemaliger Graveur bei Sklo Šafránek  

Glasgravur

Die Technik der Glasdekoration durch Gravur ist eine der sehr alten, heute traditionellen handwerklichen Methoden der dekorativen Veredelung von Glasgegenständen.

Seine Geschichte und sein technisches Prinzip gehen auf die Antike zurück, als ein ähnliches Verfahren zur Herstellung von Gravuren von Kameen und Edelsteinen in natürlichen, sehr harten Materialien - Achaten, später Bergkristallen - verwendet wurde. Der technische und künstlerische Höhepunkt der Glasgravur wurde zu Beginn des 17. Jahrhunderts erreicht, als die Technik klassischer wurde und in den folgenden Perioden des Barock, des Rokoko und des Klassizismus beibehalten wurde.

Die Glasgravur, genauer gesagt der Glasschliff, entwickelte sich in den böhmischen Ländern während der Herrschaft des kunstsinnigen Kaisers Rudolf II. Zu dieser Zeit wurden die natürlichen Materialien zunehmend durch Schmelzglas ersetzt, was die Entwicklung von Dekorationstechniken bei der steigenden Nachfrage nach Tafel- und Repräsentationsglas erleichterte. Geschliffenes Glas trug somit unmittelbar zum Weltruhm des böhmischen Kristalls bei und ist auch heute noch ein wahrhaft königliches Handwerk. 

Die Glasgravur ist ein spezifisches Kunsthandwerk, d. h. die Übertragung menschlicher Emotionen und Fertigkeiten in ein Bild auf Glas. Es handelt sich um eine Technik, die unverwechselbar und mit moderner Technik nicht machbar ist. 

Was macht seinen Charme aus? Es handelt sich praktisch um einen Schnitt in die Oberfläche eines Glasobjekts. Aus der Bemusterung des Glases und den einzelnen Schnitten wird das resultierende Bild zusammengesetzt und "modelliert". Wie der Pinsel eines Malers, der Meißel eines Bildhauers oder der Meißel eines Druckers sind die Werkzeuge des Graveurs rotierende Scheiben, meist Kupfer-, Karborund-, Elektrit- und Diamantscheiben, auf deren Umfang der Graveur eine dünne Schicht einer Emulsion aus Schmirgelpulver und Petroleum, reinem Petroleum oder Wasser aufträgt und so eine Schneidscheibe bildet, die die harte Masse des Glases abtragen und die notwendige matte Spur darauf hinterlassen kann. Durch das Abwechseln verschiedener Größen und Profile der Räder können große Glasflächen ebenso entfernt werden wie Miniaturszenen, die aus vielen Details bestehen. Bei einer Gravur handelt es sich im Wesentlichen um ein klassisches Relief, meist jedoch um ein Negativrelief (ein Positivrelief wird in viel geringerem Maße verwendet), das in die Glasoberfläche eingelassen wird. Die Gravur gewinnt erst dann an Lebendigkeit und Plastizität, wenn das Licht von hinten durch das Objekt fällt.

Die Glasgravur ist die anspruchsvollste Technik der Glasveredelung. Die Qualität der Arbeit hängt direkt von der Zeit und der Präzision ab, die der Graveur seiner Arbeit widmet.


Miroslav Valenta, ehemaliger Graveur bei Sklo Šafránek